Pikettys Gesetze

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Prof. Dr. Hagen Krämer
Prof. Dr. Hagen Krämer
Professor für Economics (Volkswirtschaftslehre)
 
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Definition

Auf Piketty in seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ zurückgehende „Gesetze“.

1. Erstes fundamentales Gesetz des Kapitalismus:
\alpha=r\cdot\beta
Die Profitquote (\alpha), d.h. der Anteil der Profiteinkommen am Nationaleinkommen, ergibt sich aus der Multiplikation von Kapitalrendite (r) und Kapital-Einkommens-Relation (\beta). Pikettys erstes fundamentales Gesetz des Kapitalismus ist eine Definitionsgleichung und kein Gesetz im eigentlichen Sinne. Empirisch spricht Piketty in seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von einem Anstieg der Profitquote seit den 1970er/1980er-Jahren in einigen entwickelten Ländern. Er führt dies auf einen starken Anstieg der Kapital-Einkommens-Relation bei vergleichsweise geringem Rückgang der Kapitalrendite zurück.

2. Zweites fundamentales Gesetz des Kapitalismus:

\beta=\frac{K}{Y} =\frac{s}{g}
Die Kapital-Einkommens-Relation (\beta), d.h. das Verhältnis von Kapitalbestand (K) zu Nationaleinkommen (Y), konvergiert im neoklassischen Modellrahmen in der langen Frist gegen das Verhältnis von Sparquote (s) zur Wachstumsrate des Nationaleinkommens (g). Piketty geht davon aus, dass in den meisten entwickelten Ländern die Wachstumsraten der Nationaleinkommen insbesondere aufgrund geringer Bevölkerungswachstumsraten in Zukunft relativ niedrig ausfallen, während die nationalen Sparquoten mehr oder weniger konstant bleiben werden. Die Kapital-Einkommens-Relation werde daher in Zukunft ansteigen.

3. Fundamentale Kraft der Divergenz:

r>g

Piketty geht davon aus, dass die  Kapitalrendite (r) historisch betrachtet fast immer größer war als die Wachstumsrate des Nationaleinkommens (g). Zudem prognostiziert er, dass dies auch im 21. Jahrhundert überwiegend der Fall sein wird. Die Ungleichung r>g wird von Piketty als „zentraler Widerspruch des Kapitalismus" und „fundamentale Kraft der Divergenz" bezeichnet, da in der Vergangenheit akkumlierte Vermögen schneller wachsen können als das Nationaleinkommen und Arbeitsentgelte. Da der Besitz von Kapital stärker konzentriert ist, führt dies zu einer zunehmenden Ungleichheit der Vermögens- und Einkommensverteilung.

 
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