Homo oeconomicus

 
Prof. Dr. Jean-Paul Thommen
Prof. Dr. Jean-Paul Thommen
Head of Chair, Chair of Organizational Behavior
Prof. Dr. Nick Lin-Hi
Prof. Dr. Nick Lin-Hi
Professor für Wirtschaft und Ethik
Prof. Dr. Robert Gillenkirch
Prof. Dr. Robert Gillenkirch
Universitätsprofessor
 
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Definition
Kurzerklärung:

Wissenschaftstheorie: Modell eines ausschließlich „wirtschaftlich” denkenden Menschen, das den Analysen der klassischen und neoklassischen Wirtschaftstheorie zugrunde liegt. Entscheidungstheorie: Idealtyp eines Entscheidungsträgers, der zu uneingeschränkt rationalem Verhalten (Rationalprinzip) fähig ist und damit in der Mehrzahl der bislang im Operations Research formulierten Entscheidungsmodelle unterstellt wird. Wirtschaftsethik: Der Homo oeconomicus spielt als Schema für die Analyse wirtschaftsethischer Probleme eine zunehmend wichtigere Rolle.

Ausführliche Erklärung:

I. Wissenschaftstheorie:

1. Charakterisierung: Modell eines ausschließlich „wirtschaftlich” denkenden Menschen, das den Analysen der klassischen und neoklassischen Wirtschaftstheorie zugrunde liegt.

Hauptmerkmal des Homo oeconomicus ist seine Fähigkeit zu uneingeschränktem rationalen Verhalten.

Handlungsbestimmend ist das Streben nach Nutzenmaximierung, das für Konsumenten, oder Gewinnmaximierung, das für Produzenten angenommen wird.

Zusätzliche charakteristische Annahmen: Lückenlose Information über sämtliche Entscheidungsalternativen und deren Konsequenzen; vollkommene Markttransparenz.

2. Beurteilung: Wegen ihres weitgehend fehlenden Informationsgehalts sind die Annahmen des Homo oeconomicus-Modells in jüngerer Zeit zunehmend kritisiert und durch ein realistischeres Bild vom wirtschaftenden Menschen zu ersetzen versucht worden.

Vgl. auch entscheidungsorientierte Betriebswirtschaftslehre, verhaltenstheoretische Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftssoziologie.

II. Entscheidungstheorie:

Idealtyp eines Entscheiders, der zu uneingeschränkt rationalem Verhalten (Rationalprinzip) fähig ist. Hierzu zählt zum einen die kosquente Verfolgung der eigenen Ziele (die ausschließlich finanzieller Natur sind) und zum anderen die unmittelbare und fehlerfreie Informationsverarbeitung.

Vgl. auch Menschenbilder.

III. Wirtschaftsethik:

Der Homo oeconomicus spielt als Schema für die Analyse wirtschaftsethischer Probleme eine zunehmend wichtigere Rolle. Er ist hierbei weder als Menschenbild noch als Ideal zu interpretieren, sondern als Analysekonstrukt, das für spezifische Probleme, bes. für soziale Dilemmastrukturen, adäquate Analysen ermöglicht (Eigeninteresse). Missverständnisse resultieren v.a. daraus, dass die Modelleigenschaften des Homo oeconomicus, Rationalität und Eigeninteresse, als Beschreibungen menschlicher Eigenschaften unabhängig vom Problem- bzw. Theoriekontext verstanden werden.

 
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